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Rückblick: Gedanken zum Volkstrauertag 2025
Erstelldatum24.11.2025
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
am zurückliegenden Volkstrauertage am 16.11.2025 fanden auf den Friedhöfen in Alfdorf, Rienharz und Hellershof wieder Gedenkveranstaltungen statt. Ich danke allen Mitwirkenden und für ihr Engagement und allen Besuchern für ihre Teilnahme!
Wir waren wieder zusammen in tiefer Verbundenheit und Stille, um den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft zu gedenken. Wir gedachten der Toten des ersten und zweiten Weltkriegs und den Opfern der Gegenwart! Dieses Gedenken ließ uns innehalten. Doch es war und ist auch ein Tag, der uns mahnt: Er erinnert uns daran, dass Frieden nie selbstverständlich ist, dass Menschlichkeit stets verteidigt werden muss und dass wir alle Verantwortung tragen – für gestern, heute und morgen.
In diesen Gedanken schließen wir nicht nur die Millionen Toten vergangener Kriege ein, sondern auch die Menschen, die in unserer eigenen Zeit Opfer von Krieg, Terror, Gewalt, Ausgrenzung und Erniedrigung werden. Mitten in Europa herrscht Krieg, nicht nur gegen die Ukraine, sondern Krieg gegen die Demokratie, gegen ein freies Europa. Weltweit nehmen demokratisch geführte Staaten ab. Die Zahl der Demokratien ist auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Derzeit stehen mehr Autokratien (74) als Demokratien (63) gegenüber. Die Verlässlichkeit der transatlantischen Beziehungen zwischen Europa und den USA, welche auf gemeinsame Werte wie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Sicherheitsallianzen und wirtschaftliche Partnerschaft basieren, sind nicht nur ins bröckeln geraten, sondern drohen sich zu pulverisieren. Christen sind weltweit die Gruppe, die wegen ihres Glaubens am meisten verfolgt und in vielen Ländern getötet werden.
Aber Hass und Ausgrenzung existieren nicht nur in fernen Ländern oder düsteren Kapiteln der Geschichte – sie passieren auch heute, mitten in unserer Gesellschaft. In Schulen, am Arbeitsplatz, im Internet und im Alltag erleben Menschen Demütigungen, Ausschluss und Verletzungen, die tiefe Spuren hinterlassen. Auch ihnen gilt unser Mitgefühl und unsere Solidarität. Denn eine Gesellschaft, die aus der Geschichte lernen will, muss auch im Heute aufmerksam und mitfühlend sein.
Wenn wir an Hass, Gewalt und Terror gedenken, denken wir auch an all jene, die in der Gegenwart im Dienst für unser Land ihr Leben verloren haben: Soldatinnen und Soldaten, sowie Polizistinnen und Polizisten, die für Sicherheit, Frieden und Recht eingetreten sind. Unsere Bundeswehr, welche dieses Jahr ihr 70-jähriges Bestehen feiert, leistet seit ihrer Gründung schwierige und gefährliche Einsätze, um Frieden zu sichern und internationale Verantwortung zu übernehmen. Unsere Polizeibeamten schützen uns täglich – regelmäßig unter Einsatz des eigenen Lebens - und sorgen für unsere Sicherheit. Sie treten für uns und für Deutschland ein, damit die demokratischen Regeln nicht nur auf dem Papier stehen.
Ihnen allen gilt unser Dank, unsere Anerkennung und unser Respekt. Respekt, was leider zunehmend in Teilen der Gesellschaft gegenüber unserer Bundeswehr, unserer Polizei, aber auch Feuerwehr und Rettungsdienste, sowie Amtsträger verloren geht. Doch gerade in Zeiten, in denen neue Spannungen und Unsicherheiten entstehen, erleben wir auch eine andere bedrückende Entwicklung: Wieder aufflammender Hass und offene Feindseligkeit gegen Jüdinnen und Juden, Anfeindungen gegen Israel, das Infragestellen des Existenzrechts des jüdischen Staates. Es macht betroffen und nachdenklich, wenn Menschen in Deutschland erneut Angst davor haben müssen, als Juden erkannt zu werden. Gerade deshalb sage ich als Bürgermeister klar und unmissverständlich: Antisemitismus darf in unseren Gemeinden, in unserem Land und in unserer Zukunft keinen Platz haben! Er widerspricht allem, wofür wir als demokratische Gesellschaft stehen.
Ich bitte Sie für unsere gemeinsamen Werte in der Öffentlichkeit Ihre Stimme zu erheben: Am Arbeitsplatz, am Stammtisch, in der Schule, im Verein. Ja überall dort, wo es nötig ist, um unsere Demokratie zu verteidigen und zwar auch dann, wenn die Populisten vielleicht auch laut sein mögen. Der Volkstrauertag erinnerte uns schmerzlich an die Abgründe, zu denen Hass, Ausgrenzung und Ideologien der Menschenverachtung führen können. Aber er erinnerte uns auch an unsere Kraft: Die Kraft der Mitmenschlichkeit, der Verständigung, des respektvollen Miteinanders. Frieden entsteht im Großen wie im Kleinen – in der Weltpolitik, aber auch in den Schulen, Vereinen, Familien und Gemeinden.
Und er beginnt damit, dass wir einander zuhören, einander achten und füreinander einstehen. Das bedeutet nicht, dass man immer inhaltlich gleicher Meinung sein muss. Es bedeutet aber auch Unterschiede auszuhalten, ohne auszugrenzen oder anzufeinden. Ich danke besonders all jenen, die sich aktiv gegen Hass und Gewalt engagieren – ob in Vereinen, in den Kirchen, in unserer Verwaltung, in Schulen oder im direkten persönlichen Einsatz für Mitmenschen, die Unterstützung brauchen. Sie alle tragen dazu bei, dass Alfdorf ein Ort des Zusammenhalts bleibt.
Lassen Sie uns den Opfern der Vergangenheit gedenken und gleichzeitig unsere Verantwortung für die Gegenwart und die Zukunft schärfen! Erinnern wir uns daran, dass Frieden keine Selbstverständlichkeit ist, sondern eine Aufgabe, die jeden Tag neu beginnt: In unserem Denken, in unseren Worten und in unserem Handeln.
Möge unsere Erinnerung uns ermahnen.
Möge unser Zusammenhalt uns leiten.
Möge unser Engagement für Frieden und Menschlichkeit uns stark machen.
Herzlichst,
Ihr Bürgermeister
Ronald Krötz

